Ein weiteres Bonus-Level bei der Erstellung meiner Webseite war die „Notwendigkeit“, ein Logo zu designen. Eine Disziplin, die ich bislang bestenfalls stiefmütterlich behandelt hatte. Zwar gab es durch meine 30-jährige Graffiti-Vergangenheit massive praktische Berührungspunkte mit der Architektur von Buchstaben, doch in die analytischen Tiefen und die Philosophie des formalen Brand-Designs bin ich erst hier willentlich abgetaucht.
Nach etlichen verschiedenen iterierten Entwürfen, die teils bis ins finale Stadium durchdekliniert wurden, bestach der letztendliche Sieger durch einige Aspekte, auf die ich hier eingehen möchte. Denn eigentlich macht es für die meisten von uns Sinn, sich mal Gedanken zu einem Logo zu machen.
Von Anfang an priorisierte Faktoren:
- klare Lesbarkeit in verschiedenen Größen und Formaten – es sollte von FavIcon bis Cover Art funktionieren
- repräsentativer Stil – die Identifikation ist gefühlt sogar Priorität für mich, doch wissentlich beuge ich mich dem „Form follows Function“-Ansatz
- Dynamik und Stabilität sowie deren Ausgewogenheit
- eine philosophische Meta-Ebene – Mehrschichtigkeit und Tiefgang muss sein für mich
Begründete Funktionalität:
- Brachiale Lesbarkeit – selbst im kleinsten Format ist die Silhouette klar.
- Der Kontrast zwischen dem flirrenden Schwarz-Weiß und dem ruhigen Negativraum in plakativem Grau, eingebunden von der dynamischen Outline, fängt den Blick und lässt ihn ruhen.
Anscheinend habe ich da eine wichtige Balance gefunden. - Die Meta-Ebene wird unter anderem für mich mit der bewusst assoziierten und gewählten Form eines Puzzleteils bedient. Da ich systematisch und synergetisch arbeite, ist das Ineinandergreifen verschiedener Teile zu einem größeren Ganzen essentiell.
- Das Logo funktioniert auch in Anschnitten, sei es im Hochformat oder Querformat.
Das primäre Augenmerk liegt jedoch auch in der Nutzbarkeit sowohl in quadratischen als auch runden Rahmen, wie sie von verschiedenen Plattformen erzwungen werden.
Making-Of und Designentscheidungen:
- Die Formfindung fand auf Papier statt und hat davon nicht wenige Blätter verbraucht.
- Der gesamte Buchstabe wurde komplett designt und erst später im Passepartout freigestellt.
- Die leicht kursive und verjüngte Ei-Form der Punze verleiht dem Buchstaben Bewegung.
- Der absichtlich leicht verschobene untere Endstrich suggeriert, wenn man es aus Character-Design-Sicht betrachtet und das C als Kopfprofil sieht, einen nach vorne geschobenen Kiefer. Der obere Endstrich wird dabei zu einer aggressiv gesenkten Stirn.
- Die Dynamik der Silhouette wird komplementiert von der Springfeder-Schraffur.
- Serifen wurden absichtlich weggeschnitten. Weniger ist mehr.
- Der Blick strebt durch inszeniert wuchtigere Linienstärke in Leserichtung.
- Auf jede Form von Zentrierungen wurde absichtlich verzichtet zugunsten des Bewegungsvektors im Spannungsfeld des visuellen Raums.
Ich mag mein Aggro-Zebra sehr und werde noch einiges mit ihm anstellen.