neue Website – Teil 2: Architektur und „Raus, was keine Miete zahlt!“

Die erste Idee war verlockend simpel: Die gesamte Inhaltsmasse auf eine ewig lange Seite pressen oder in ein gigantisches WordPress-Dropdown stopfen. Die technische und konzeptionelle Realität fällte jedoch ein schnelles, vernichtendes Urteil. Die Prognose: extreme Ladezeiten, Performance-Einbrüche durch aufgeblähte DOM-Strukturen und Datenbank-Limits bei massiven Einzelseiten. Ein Dropdown mit mehr als 15 komplexen Unterpunkten wäre zudem ein reiner Usability-Albtraum geworden. Die bittere Erkenntnis war unumgänglich – als monolithischer Gesamtklotz war dieses Projekt langfristig weder pflegbar noch skalierbar.

Das Content-Hub-Modell
Die Lösung lag in der Strukturierung: Ein „Content Hub“. Ich baute eine zentrale Landingpage als Übersichts-Dashboard, gestützt von einer strengen Einteilung in didaktisch sinnvolle Kategorien wie Pipeline und Character Design. Für die schnelle Orientierung auf dem Hub sorgten Anchor-Links, flankiert von Filter-Hashtags und Projekt-Thumbnails im analogen Look. Um den pädagogischen Fokus der Plattform nicht zu verwässern, zog ich eine harte Grenze: Sämtliche Experimente und reine Fun-Projekte werden rigoros auf externe Plattformen ausgelagert.

Kill Your Darlings
Dann folgte die eigentliche Schmerzgrenze: Ist das Kunst oder kann das weg? Das Ordnen der über Jahre angesammelten Projekte forderte ein kompromissloses Ausmisten. Etliche Arbeiten, die mir persönlich immer noch am Herzen liegen, flogen raus – einzig und allein, um den übergeordneten didaktischen Faden nicht zu verlieren. Ebenso konsequent verzichtete ich auf eine klassische Portfolio-Galerie. Der absolute Fokus dieser Webseite liegt auf der Lehre und der Vermittlung von Erfahrungswerten, nicht auf quantitativer Selbstbeweihräucherung.

Das Entstauben dieser metaphorischen Rumpelkammer und das Einweben der Fragmente in einen neuen roten Faden fraß irritierend viel meiner Energie. Es fühlte sich an wie die erzwungene Reanimation längst verabschiedeter Etappen, die für die neue Struktur jedoch essenziell waren. Eine Teilerkenntnis: Die Technologie hat sich drastisch gewandelt, der kreative Kernprozess aber nicht wirklich.

Das gezähmte Hexenwerk
Parallel zur inhaltlichen Architektur flüchtete ich mich ins handwerkliche Detail. Ich entwickelte Strukturen, kachelbare Texturen, Muster und Farbkombinationen. Dieser gestalterische Fokus riss mich aus dem fixierten Gedankenkorsett der ersten Layouts und lieferte kontinuierlich neue Impulse. Kaum etwas davon landete später im finalen Design, aber die dadurch entstandene Asset-Bibliothek ist ein wertvolles Fundament und die gelebte freie Kreativität in diesen Phasen war Qualitytime.

Ein echter Meilenstein war dabei das Abhaken einer echten To-Do-Listen-Leiche: die Automatisierung in Photoshop. Um die analoge Ästhetik der Plattform effizient und reproduzierbar zu machen, konstruierte ich mit nicht geringem Aufwand komplexe Aktionen für Sketch-, Ink- und Rasterungseffekte. Nach 25 Jahren in der Produktion kann ich nun behaupten, dieses kleine Hexenwerk endlich bis in den letzten Parameter durchschaut zu haben – und ich freue mich bereits darauf, dieses System noch weiter spielerisch auszureizen.